Mit dem Motorrad auf spezieller Mission PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Administrator   
Freitag, 27. Juli 2007
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Mit dem Motorrad auf spezieller Mission

Ich stelle mich den BesucherInnen dieser Homepage kurz vor: Ich heisse Andreas Wettstein und arbeite als Theologe für die Bethlehem Mission Immensee in Peru.

Meine Leidenschaft für das Motorradfahren habe ich 1996 entdeckt, als ich im Süden des Departements Ayacucho in einem abgelegenen Dorf in der Pfarrei arbeitete und nur mit dem Töff die Menschen in den weit entfernten Weilern erreichen konnte. So war ich mit einer einfachen, aber zuverlässigen Honda-Enduro  XL 185 oft stundenlang auf schmalen Schotterstrassen unterwegs. Dabei galt es immer einige Hindernisse zu überwinden – kleine Flüsse zu durchqueren, Pässe von über 4000 m zu erklimmen, Erdrutsche zu umfahren usw. Ernsthafte Probleme hatte ich nur bei Hagelschauern oder wenn sich bei Regen die Wege in rutschige Schlammpisten verwandelten und teilweise unpassierbar wurden.

Es ist ein einmaliges, erhebendes Gefühl bei strahlendem Sonnenschein durch die Weiten der faszinierenden Andenlandschaft zu fahren: Weit und breit allein in Gottes freier Natur!

Seit 2003 arbeite ich in der Zentralandenmetropole Huancayo in der Gefangenenseelsorge. Es gibt hier in der Gegend des Mantarotals drei Gefängnisse: Ein Regionalgefängnis für Männer mit 800 Insassen, ein kleines Frauengefängnis mit 35 Gefangenen samt ihren Kleinkindern und eine Jugendstrafanstalt mit 90 Jugendlichen. Da die Gefängnisse ausserhalb der Stadt liegen, leistet mir ein Motorrad wiederum gute Dienste – diesmal eine etwas stärkere Honda XL 250 R.

Meine Aufgabe als ‚Pastor der schwarzen Schafe’ ist nicht einfach: Auf Menschen zuzugehen, die alle schwere Lebensgeschichten haben und auf vielfältige, oft unvorstellbare Weise zu kurz gekommen sind und verletzt wurden. Es braucht viel Geduld, bis sie Vertrauen schöpfen, sich öffnen, erzählen, ihr Verhalten hinterfragen, bereuen und den Entschluss fassen, ein neues Leben anzufangen.

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Die Infrastruktur in den überbelegten peruanischen Gefängnissen ist oft nicht menschenwürdig und das Justizsystem defizient und korrupt. Trotz allen Schwierigkeiten gibt mir meine Aufgabe viel Befriedigung: Die Gefangenenseelsorge versucht, die Gefangenen auf vielfältige Weise zu unterstützen und ihre Lebenssituation zu verbessern: Wir überwachen die Einhaltung der elementaren Menschenrechte, machen Supervision der Ernährung und der Gesundheit, unterstützen den Aufbau von Werkstätten, helfen ihnen bei der Vermarktung ihrer handwerklichen Produkte, veranstalten Kurse (Erste-Hilfe, Literatur, Bibel usw.) und Wettbewerbe (Gedichte, Malen usw.) und unterstützen einige Gefangene in ihrem Fernstudium. So versuchen wir den Strafvollzug mit unseren bescheidenen Beiträgen etwas zu humanisieren. Von vielen Gefangenen erfahren wir für unsere Besuche, Hilfen und Initiativen viel Dankbarkeit. Ein Strafentlassener hat mir einmal gesagt: „Dies hat mir am meisten geholfen, dass ihr von der Kirche unvoreingenommen auf mich zugekommen seid und mich nie verurteilt habt. So habe ich mich verändert und sehe für mein Leben neue Perspektiven!“ Ein Aufsteller ist für mich jedes Mal, wenn in der Stadt ein Strafentlassener meinen Namen ruft und mich herzlich begrüsst. Wenn er mir dann von seiner neuen Arbeit als Chauffeur, Verkäufer oder Lehrer erzählt, dann erfüllt mich dies mit grosser Zufriedenheit und zeigt mir, dass die Seelsorgetätigkeit mit Gefangenen Sinn macht.

Wie kann ich abschalten von dieser Arbeit? Am meisten entspanne und erhole ich mich, wenn ich nach der Landkarte mit meinem Motorrad einem Bach entlang zu einem abgelegenen Bergsee, zum nahegelegenen Gletscher oder zu verlassenen Ruinen fahre. Mit meinem eigenen Töff komme ich an Orte, wo man sonst nur zu Fuss hinkommt! Zudem kann ich anhalten, um zu fotographieren, wo ich will und so lange bleiben, wie es mir Spass macht. Die faszinierende Landschaft und meine treue Honda-Enduro machen mir viel Freude und geben mir neue Kraft für den Alltag im Gefängnis. Ich freue mich natürlich immer, wenn mich jemand begleitet auf meinen Ausfahrten. Herzlich willkommen zu einem Besuch in Huancayo! 

 

Huancayo, 7. Mai 2007                                                        Andreas Wettstein

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Andreas mit Krankenschwestern 

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